Mein Rücken hat Zahn

Den Ausdruck „Ich hab‘ Rücken[schmerzen]“ haben mit Sicherheit schon viele von euch einmal gesagt, denn Nacken- oder Rückschmerzen an sich sind mit Blick auf unser Leben mit tendenziell vielen Sitztätigkeiten kein Wunder. Laut Techniker Krankenkasse waren 8,4% aller Krankeschreibungstage im Jahr 2019 auf Rückenleiden zurückzuführen [1].

Wieso mache ich einen Blog-Eintrag zum Thema Rückenprobleme? Ganz einfach: Ich möchte euch die Augen für einen möglichen Grund hierfür öffnen und berichten, wie es mir in den letzten Jahren ergangen ist. Es geht um die Frage, was eure Zähne und euer Kiefer damit zu tun hat und welche Behandlungen hierbei helfen können.

Ich bin zwar erst 30 Jahre, habe aber bereits seit einigen Jahren mit zunehmenden Rückenproblemen zu kämpfen. Mich hat dies zunächst sehr gewundert, da ich zu dem Zeitpunkt Sport in meinen täglichen Alltag integriert hatte. Regelmäßiges Radfahren, schwimmen, Übungen im Fitnessstudio oder Sparziergänge im Wald gehören fast täglich zu meinem Sportprogramm. Jedoch saß ich, u.a. bedingt durch mein Master-Fernstudium und Jobs, die ich zum Teil von zu Hause erledigen konnte, auch viel am Schreibtisch. Habe meine Rückenprobleme also vor allem darauf geschoben und da sie auch zunächst nur ab und zu da waren, war dies auch nicht weiter schlimm.

In einem ersten Schritt habe ich versucht Schreibtisch, Stuhl und meine Matratze zum Schlafen zu optimieren und auszutauschen. Für mich mit mäßigem Erfolg, dies können aber schon erste Tipps für euch sein. Richtig sitzen und erholsam schlafen sind wichtige Grundlagen für eine gute Rückengesundheit. Krankenkassen stellen auch viele allgemeine Tipps zu diesem Thema zusammen [2]. Was passiert als Nächstes, wenn man zunehmend Rückenprobleme hat? Man geht zum Hausarzt oder zum Orthopäden und bekommt, wie in meinem Fall, hin und wieder eine Massage oder Wärmebehandlung aufgeschrieben. Einige Zeit habe ich auch am FPZ-Rückentrainingsprogramm teilgenommen, eine 12-wöchige Physiotherapie mit Fokus auf Rückenschule. Dies wurde komplett durch meine damalige Krankenkasse, die BARMER, bezahlt [3].

Nachhaltig geholfen haben mir diese Behandlungen, obwohl ich weiterhin körperlich fit war und mich, wie ich fand, viel bewegt habe, allerdings nicht. Da ich zunehmend vor allem Probleme im oberen Rücken, im Nacken- und Schulterbereich, kam ich irgendwie (ich weiß in der tat nicht mehr, von wem / durch was der entscheidende Tipp kam) auf das Thema Zähne und Kiefer. Je mehr ich darüber nachlas, desto logischer erschien mir der Zusammenhang.

Meine Zähne hatten sich über die letzten 10 Jahre wieder etwas verschoben, auch das verursachte teilweise Schmerzen, und meine Zahnärztin riet mir schon vor einigen Jahren zu einer KFO-Behandlung [4], um diese Zahnfehlstellungen zu korrigieren. Damals war mir dies zu teuer. Außerdem las ich von möglichen CMD-Problemen, einer Kieferproblematik [5] mit Auswirkungen vor allem auf die Nacken- und Rückenmuskulatur. Denn es ist sehr logisch (vereinfacht gesprochen): Passt der Ober- und Unterkiefer nicht genau zueinander, kann man nicht korrekt zubeißen. Es passiert zum Beispiel, dass man eine Seite des Kiefers mehr oder weniger stark beansprucht. Macht man dies über eine lange Zeit, führt das zu einem Ungleichgewicht, welches sich ebenfalls auf die Muskelgruppen, die sich vom Kiefer bis in die Schulter ziehen, auswirken. Schematisch dargestellt sind diese Probleme im hier verlinkten Video bzw. mit Infos unter [5].

Letztendlich stellt sich bei mir heraus, dass bei mir ein sogenannter Kreuzbiss vorliegt, bei dem Ober- und Unterkiefer nicht direkt zusammenpassen. Es liegt in meiner Natur, dass ich mich zunächst über Themen versuche recht genau zu informieren, bevor ich mich für eine Behandlung (mit auch verbundenen Kosten, dazu später) entscheide. Ich holte mir daher von verschiedenen Zahnärzten eine Meinung ein und es stellt sich in meinem Fall schnell heraus, dass die zuvor genannten Zahnfehlstellungen (KFO) und die Kieferprobleme (CMD) in einer großen und kombinierten Behandlung zu behandeln sind. Dabei fiel mir wiederum auf, dass nicht alle Zahnärzte eine CMD-Behandlung durchführen können und auch nicht alle Kieferorthopäden auf dem Gebiet bewandert sind. Es gibt auch Zahnärzte, die nur das eine (KFO) oder andere (CMD) machen.

Letztendlich entschied ich mich doch für eine Behandlung im Zentrum für Zahngesundheit Ruhr (Zahnärzte Schweppe und Thiedemann [6]). Dort war ich immer beim Zahnarzt, jedoch war nicht nur der persönliche Kontakt entscheidend. In dieser Praxis ist eine Zahnärztin auf CMD-Behandlungen spezialisiert ist, eine weitere auf KFO-Behandlungen und ein weiterer Zahnarzt auf Zahnersatz (Implantate + Brücken). Für jemanden wie mich, der viele Baustellen auf diesem Gebiet hat, durchaus hilfreich.

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Der Ablauf einer Behandlung haben mir verschiedene Ärzte recht ähnlich beschrieben: Zuerst behandelt man die CMD-Probleme (die Kieferfehlstellung) und dann die KFO-Probleme (Zahnfehlstellungen). Wenn ihr nur eines der Probleme habt, dann könnt ihr euch natürlich auf ein Thema fokussieren. Meine CMD-Behandlung begann im Mai 2019 und ich bekam eine spezielle Aufbissschiene, wobei die Betonung auf dem Wort „spezielle“ liegt. Es handelt sich dabei nicht um einen „Gummiüberzug“, den einige vielleicht als Knirscherschiene kennen, sondern um eine speziell angefertigte Schiene, welche beim Zusammenbeißen die optimale Kieferposition simuliert (Erläuterung siehe Video zuvor, Foto meiner CMD-Schiene siehe links).

Zu Beginn war die Schiene und das Aufbeißen in „korrekter“ Kieferposition ungewohnt und verursachte eine Art Muskelkater am Kopf/Kiefer sowie teilweise Kopfschmerzen. Jedoch habe ich bereits nach kurzer Zeit gemerkt, wie sich mein Kiefer an die optimale Position (mit Schiene) gewöhnt hat und meine Nacken- und Schulterschmerzen weniger wurden und nach einigen Monaten fast vollständig verschwunden waren. Verrückt, damit hätte ich nicht gerechnet und war sehr froh darüber, dass das Tragen dieser Schiene geholfen hat.

Das Tragen der Schiene hatte einen weiteren positiven Nebeneffekt: Ich habe nur noch dreimal am Tag etwas gegessen, denn mit der Schiene kann man nicht essen und nur für einen Snack zwischendurch nimmt man die Schiene nicht immer heraus (und putzt seine Zähne). Durch die Schiene, und eine Umstellung meiner Ernährung, habe ich über 10kg abgenommen und mich genauer mit dem Thema Intervallfasten beschäftigt (vielleicht etwas für einen weiteren Blog-Artikel). Der Umgang mit der Schiene war ansonsten recht problemlos, man konnte damit ohne Probleme sprechen (wobei es hier je nach Zahnarzt verschiedene Anfertigungen geben kann, womit dies leichter / schwieriger sein kann) und auch mal etwas anderes als Wasser trinken.

Nach der durchaus erfolgreichen CMD-Behandlung wartet nun die KFO-Behandlung, die Korrektur der Zahnfehlstellungen, auf mich. Dies hat natürlich zur Folge, dass ich nun meine CMD-Schiene nicht mehr trage und andere Schienen für die KFO-Behandlung nutze [7]. Bis sich meine Zähne also insgesamt umgestellt haben und am Ende hoffentlich Kiefer- und Zahnposition weitreichend korrekt sind, wird es noch 1-2 Jahre dauern. Ich werde berichten.

Mit meinem Blog-Artikel heute ging es mir vor allem darum, euch für das Thema zu sensibilisieren. Vielleicht habt ihr ähnlich, für euch zunächst unerklärliche, Rückenprobleme, die eventuell auch mit dem Kiefer und euren Zähnen zusammenhängen.

Abschließend sind mir zu diesem Thema folgende Punkte wichtig:

  • Ich habe versucht, euch das Thema stark vereinfacht zu erklären. Selbst mein konkreter Fall ist, u.a. durch einen fehlenden Zahn, noch etwas komplexer als geschildert. Manche von euch haben vielleicht gar keine oder nur eine der angesprochenen (CMD/KFO)-Problematiken oder gar andere Beschwerden.
  • Ich bin kein Arzt. Das Lesen eines Blog-Artikels oder anderen Internetseite kann euch informieren, ersetzt aber in keinem Fall den Gang zu einem Arzt. Dies können in diesem Fall zunächst der Hausarzt, ein Orthopäde oder ein Zahnarzt sein. Beim Zahnarzt dann darauf achten, dass dieser zumindest ein Kieferorthopäde/in ist. Ich habe mich auch erst nach der ersten Diagnose verstärkt eingelesen.
  • Zahnbehandlungen in diesen Bereichen (CMD/KFO) werden i.d.R. nicht von gesetzlichen Krankenkassen und auch nicht von Zusatzversicherungen übernommen (Zusatzversicherungen zahlen i.d.R. vor allem Implantate, Vorsorge etc.). Eine CMD-Behandlung kann in etwa zwischen 1.000-2.000 € kosten, eine KFO-Behandlung mit Invisalign in etwa zwischen 3.500-6.500 €, alles je nach Zahnarzt sowie konkretem und individuellem Fall.

Links und Quellen

[1] https://www.tk.de/presse/themen/praevention/gesundheitsstudien/fehltage-aufgrund-rueckenschmerzen-2080534

[2] https://www.tk.de/techniker/magazin/sport/gesunder-ruecken-2000332 oder zum Beispiel https://www.barmer.de/gesundheit-verstehen/rueckengesundheit

[3] Mehr Infos zu dem Konzept und ob eure Krankenkasse dies bezahlt findet ihr hier, sprecht dann euren Orthopäden darauf an, er kann euch die Behandlung verschreiben:

https://www.fpz.de/die-behandlung/kostenubernahme

[4] KFO steht für Kieferorthopädie und fasst die Behandlungstechniken für Zahnfehlstellungen zusammen. Zur allgemeinen Informationen verlinke ich auch mal auf Wikipedia: https://de.wikipedia.org/wiki/Kieferorthop%C3%A4die

[5] CMD steht für Cranio Mandibuläre Dysfunktion und bezeichnet Fehlfunktionen/-Stellungen des Kiefers und die damit verbundenen Auswirkungen auf andere Körperteile. Allgemeine Informationen auf der Seite der Gesellschaft für Zahngesundheit, Funktion und Ästhetik sowie eine Einleitung in dem im Blog verlinkten Video: https://www.gzfa.de/diagnostik-therapie/cmd-craniomandibulaere-dysfunktion/ bzw. der Video-Link https://www.youtube.com/watch?v=MZvZHxhaGp0

[6] Infos zum Zentrum für Zahngesundheit Ruhr unter https://www.dr-schweppe.de/.

[7] Hier nutze ich jetzt die Invisalign-Schienen, siehe https://www.invisalign.de/, im Detail dazu aber mal etwas in einem weiteren Blog-Artikel.

Meine Entscheidung für grün

Die aktuelle politische Situation in Deutschland ist alles andere als zufriedenstellend. Seit vielen Jahren erleben wir das Erstarken einer Partei am rechten Rand, die in vielen Bundesländern und im Bund die Machtverhältnisse insofern verändert hat, dass es immer schwieriger wird eine Regierung zu bilden. Die aktuellen Ereignisse in Thüringen zeigen dies in einer zugespitzten Situation, aber auch in anderen Bundesländern und im Bund werden in Zukunft neue Formen der Zusammenarbeit und Koalition nötig sein.

Ich verfolge seit vielen Jahren das politische Geschehen sehr genau und tausche mich hierzu mit Freunden und Personen in meinem Umfeld aus. Richtig politisch aktiv war ich bisher noch nicht, vor einigen Jahren war ich einmal Mitglied der SPD. Im letzten Jahr bin ich wieder in eine Partei (welche, dazu später) eingetreten und möchte mich zunehmend auch politisch engagieren. Jetzt kann jeder, der bereits sehr aktiv ist und dies hier liest, denken: Was will der jetzt ohne seine Politikerfahrung? Vielleicht ist es aber genau das, denn auch ich wünsche mir, dass sich in den nächsten Jahren etwas in der Politik und in der Wahrnehmung von echter Politik ändert. Was stelle ich mir vor?

Mut zu neuen Modellen

Neue Zeiten erfordern neue Herangehensweisen. Seit vielen Jahren werden wir von einer großen Koalition reagiert, was dazu geführt hat, dass sich die beiden großen Volksparteien unterschiedlicher politischer Richtungen (CDU/CSU und SPD) soweit angenähert haben, dass es für beide schwierig ist, vor neuen Wahlen ihr Profil zu schärfen. Wenn man schon von einer großen Koalition regiert wird, würde ich mir wünschen, dass echte Probleme strategisch und auf Jahrzehnte ausgerichtet angegangen würden. Der große, so dringend benötigte Wurf für große Herausforderungen in Bildung, Infrastruktur, Pflege oder Klimaschutz, sind aber ausgeblieben.

Wir sollten daher offen sein für neue Modelle der politischen Koordination und Kooperation. Nach dem Abbruch der Jamaika-Verhandlungen wurde immer mal wieder eine Minderheitsregierung (z.B. CDU + FDP) diskutiert. Wieso nicht? Klar, Deutschland als wichtiges europäisches Land braucht eine funktionierende Regierung. Ich finde, eine Minderheitsregierung kann funktionieren, nämlich dann wenn es die demokratische Debatte belebt, unterschiedliche Richtungen wieder sichtbarer werden und es selbstverständlich wird, dass man sich bei guten Ideen Mehrheiten organisiert und es dann auch politisch und medial nicht immer aufgebauscht wird, wenn demokratische (!) Parteien einer etwas anderen politischen Richtung bei sinnvollen Vorhaben mit den anderen stimmen.

Ebenfalls kann ich mir vorstellen, dass in bestimmten Situationen, z.B. wenn die Mehrheitsbildung sehr schwierig ist, der Einsatz einer Expertenregierung sinnvoll sein kann. Diese kann vor allem temporär agieren und helfen, wichtige Projekte und Vorhaben voranzubringen und dafür politische Mehrheiten zu organisieren. Zugegeben, auf Bundesebene kann ich mir dies schwieriger vorstellen als in einem Bundesland.

Politiker denken lassen

Alle Menschen in unserem Land und die Medien müssen damit klarkommen, dass es in unserem System die Aufgabe von Politikern ist, neue Wege zu gehen und diese auch einmal auszusprechen. Wenn bei der kleinsten neuen Idee oder einem fehlenden Wort in den sozialen Medien immer nur auf die Politiker „draufgehauen“ wird und diese sich dann schnell korrigieren / rechtfertigen müssen, ist doch nichts gewonnen.

Vor allem gehört zu jeder Idee mehr als nur ein Satz, d.h. auf Twitter kann man selten in wenigen Sätzen einen Gesamtzusammenhang verstehen und einordnen. Ich kann gut verstehen, dass bei dieser zunehmenden Polarisierung auf einzelne gesagte Wörter, Sätze oder Äußerungen, die mitunter schon Jahre her sind (zur Politik gehört es meiner Meinung nach auch, sich korrigieren zu dürfen, wenn man von einer anderen Idee überzeugt ist), einzelne Personen frustriert aufgeben oder andere gar nicht erst in die Politik starten möchten. Daher mein Appell an alle: Denkt darüber nach, was ihr tut, wenn ihr demnächst wieder jemanden in den sozialen Medien „vernichtet“.

Visionen entwickeln

Wenn wir den Aspekt zuvor beherzigen, sollten wir als nächstes darüber sprechen, wie wir wieder echte politische Visionen entwickeln können. Visionen, die über die Zeit einer Legislaturperiode hinausgehen und ein Land langfristig weiterentwickeln können. Dazu könnten zum Beispiel folgende Initiativen gehören:

  • Ein auf viele Jahre angelegtes Investitionsprogramm, vor allem nötig in den Bereichen Bildung, Infrastruktur und Digitales, sein. Das Institut der deutschen Wirtschaft beziffert das aktuell nötige Investitionsvolumen für die nächsten zehn Jahre auf etwa 450.000.000.000 (450 Milliarden, siehe https://www.iwkoeln.de/studien/iw-policy-papers/beitrag/michael-huether-galina-kolev-investitionsfonds-fuer-deutschland.html) Euro. Wir müssen anfangen!
  • Die Demografie in unserem Land verändert sich und es wird viel über die Sicherheit der Rente, Rentenlücke und Vorsorgemöglichkeiten gesprochen. Ich finde die Kernidee des norwegischen Staatsfonds interessant (Gelder erfolgreicher Zeiten, im Falle von Norwegen aus Erdöl, gewinnbringend für die Zukunft anzulegen, auch Beiträge zur Sozialversicherung werden teilweise investiert, https://de.wikipedia.org/wiki/Staatlicher_Pensionsfonds_(Norwegen)). Hier können wir mutiger werden und neue Wege gehen.
  • Es wird viel darüber gesprochen, dass das nächste Google, Facebook oder Tesla aus Europa kommen muss. Dafür benötigen wir neue Wege der Start-Up-Förderung, besonders im Bereich der späteren Finanzierungsrunden. Gespannt bin ich auch, was Rafael Laguna de la Vera mit der neu gegründeten Agentur für Sprunginnovation erreichen kann (siehe: https://www.bmbf.de/de/agentur-fuer-sprunginnovationen-9677.html).

Einige Ansätze sind da, aber wir müssen mutiger, schneller und langfristiger in den Planungen werden. Bei diesen Themen sollten Parteien unterschiedlicher Couleur an einem Strang ziehen und Lösungen erarbeiten, die Legislaturperioden überdauern.

Nachhaltig handeln

Mit Interesse habe ich im letzten Jahr eine Diskussion verfolgt, die sich mit der Frage beschäftigt hat, ob das Bruttoinlandsprodukt weiter das einzige Maß für eine „erfolgreiche Wirtschaft“ oder man weiter, langfristig und nachhaltiger denken und Wohlstand einer Gesellschaft anders definieren sollte (ein interessanter Kommentar hierzu auch unter: https://www.deutschlandfunkkultur.de/bruttoinlandsprodukt-das-bip-ist-nicht-mehr-zeitgemaess.1005.de.html?dram:article_id=465657).

Wir leben in einer sich immer weiter technisierten, automatisierten und digitalen Zukunft, welche auch neue Formen von Einkommens- und Lebensmodellen mit sich bringen wird (ein Grundeinkommen wird man zumindest diskutieren und auch bei uns einmal testen müssen). Außerdem kommen aktuelle Herausforderungen wie der Klimawandel verbunden mit dem Wunsch einer sauberen Energiegewinnung in der Zukunft hinzu. All das beeinflusst das bisherige „Maß der Dinge“ und erforderlich ein nachhaltiges Handeln.

Nachhaltiges Handeln bedeutet hierbei für mich, dass wir unsere Umgebung und Gesellschaft für alle beteiligten lebenswert machen. Hierbei sind alle eingebunden: Die Politik als Motor, die Unternehmen mit einer sich verändernden Verantwortung und jede weitere Organisation, jeder Verein und jede Privatperson, welche in unterschiedlicher Weise hierzu beitragen können.

Medienverhalten ändern

In den letzten Jahren haben ich mich zunehmend über unsere Medien geärgert, die das Leben der Politiker nicht einfacher gemacht und manchmal stark beeinflusst haben. Nicht falsch verstehen, die Medien sind dafür da, kritisch Bericht zu erstatten und verschiedene Meinungen zu beleuchten.

Jedoch finde ich die zunehmende Polarisierung auf einzelne Themen und den Medienhype um neue Themen problematisch. Klar ist: Jede Website und jeder News-Channel versucht bei einem neuen Ereignis der / die Erste bei der Berichterstattung zu sein. Und wieso? Weil wir, damit meine ich die Konsumenten der Medien, diese Inhalte konsumieren. Ich schließe mich hier ein, wobei ich selbst alle „Breaking-News“-Meldung deaktiviert habe und gegenüber gewissen Themen auch etwas „abgestumpft“ bin.

Es gibt für mich zudem zahlreiche Negativbeispiele aus den letzten Jahren, in denen unsere Medien Themen (mitunter unbewusst) verstärkt haben. Auch die öffentlich-rechtlichen Sender sind hier oft nicht besser als die privaten Sender.

Geärgert habe ich mich zum Beispiel, als das Kanzlerduell vor der letzten Bundestagswahl mehr als die Hälfte der Zeit zum Thema Flüchtlingspolitik der Jahre zuvor abgehalten wurde und in dem Duell nur wenig nach vorne geschaut wurde. Unnötig finde ich auch, wenn Medienunternehmen nach besonderen Ereignissen „Blitzumfragen“ durchführen. Wer hätte nur erwartet, dass die CDU nach dem Thüringen-Debakel Stimmen verliert? Blitzumfragen in emotional aufgeladenen Momenten tragen nicht zu einer seriösen Berichterstattung bei und polarisieren nur noch mehr. Genauso wie viele Talk-Shows, die nach solchen Ereignissen schnell einberufen werden.

Für die Zukunft sollten Medien und Konsumenten ein neues Verständnis entwickeln, denn ansonsten werden in unserer digitalen und schnelllebigen Welt weiterhin nur die Nachrichten überleben, welche die meisten Klicks bringen. Und viel mehr als die Überschrift wird dann nicht gelesen und gefährliches Halbwissen wird getwittert. Schalten wir alle einen Gang zurück, informieren wir uns wieder ausführlicher zu Themen, ordnen wir Ereignisse in Ruhe und weniger überhastet ein und geben wir damit auch der Politik eine Chance in einer sinnvollen Geschwindigkeit reagieren zu können.

Meine politische Einstellung: Sozial-Liberal

Ich bin wirtschaftlich orientiert, habe Wirtschaftsinformatik studiert, mich selbstständig gemacht und bringe mit meinem Wissen ein gemeinnütziges Bildungsprojekt zur Förderung des MINT-Nachwuchses in Deutschland voran. Hierbei habe ich schon einiges über unser Schulsystem in Deutschland mit unserem Bildungsföderalismus gelernt und unser Verein hat sich wie ein kleines Start-Up entwickelt.

Gleichzeitig weiß ich, dass in unseren Zeiten gesellschaftlicher Zusammenhalt – zwischen Reich und Arm und Jung und Alt – wichtig ist. Wie viele Wissenschaftlicher überzeugen mich die Fakten für einen menschengemachten Klimawandel, indirekte „Kosten“ unseres wirtschaftlichen Wohlstandes des letzten Jahrhunderts. Der Klimawandel und die wahrscheinlichen Folgen (übrigens sehr gut zusammengefasst in „Eine unbewohnbare Erde“ von David Wallace-Wells) sowie die Digitalisierung mit all den Konsequenzen für das Leben in der Zukunft sind die großen Herausforderungen, die wir nur gemeinsam meistern können.

Mit meinen Ansichten habe ich mich in den letzten Jahren mal mehr bei der FDP oder den Grünen wiedergefunden und konnte mich nur sehr schwierig für den Eintritt in eine dieser Parteien entscheiden. Bei der FDP war ich sehr nah einzelnen Wirtschaftsthemen, im liberalen Gedanken oder Aspekten rund um Digitalisierung, Start-Ups und auch die Idee eines organisierten Einwanderungsmodell nach dem Vorbild Kanadas war mir sympathisch. Bei den Grünen bin ich nah den Themen rund um gesellschaftlichen Zusammenhalt mit notwendiger Steuerpolitik und der Klima- und Umweltschutzpolitik. Bei vielen Themen rund um Digitales und Bildung sind sich FDP und Grüne übrigens näher als man denkt.

Insgesamt würde ich meine Politikansätze daher als sozial-liberal einordnen, womit ich sowohl bei FDP, Grünen und wohl auch in der der SPD eine Heimat finden könnte, denn eines ist auch klar: Niemand stimmt zu 100% mit einem Parteiprogramm überein – dies ist unrealistisch – und daher stellt sich die Frage: Welche Themen drängen sich verstärkt auf? Was möchte man besonders unterstützen? Letztendlich entschied ich mich im Sommer 2019 zum Eintritt bei den Grünen, da mir das Thema Klimaschutz mit allen verbundenen Herausforderungen für Wirtschaft und Gesellschaft am notwendigsten erscheint und mit grüner Politik am stärkten angegangen werden. Ich möchte dort einen Beitrag leisten, auch mit meinen Kenntnissen in anderen Themen wie Bildung, Digitales und Wirtschaft. Für die Grünen wird es nämlich wichtig, nicht alles dem Klimaschutz unterzuordnen, sondern Klimaschutz als Leitbild von Entscheidungen in vielen Bereichen zu verstehen und andere wichtige Themen nicht zu vergessen.

Ich kenne einige, die politisch aktiv sind und die ich für ihr Engagement sehr schätze. Ich bewundere auch, wie viele mit der großen Arbeitsbelastung und dem Mediendruck klarkommen bzw. klarkommen müssen. In diesem Blog-Artikel habe ich einige, längst nicht alle, Themen kurz angesprochen, die mich gedanklich umtreiben und an denen wir meiner Ansicht nach etwas für die Zukunft ändern müssen.

Auch wenn ein Zitat von Friedrich Merz in den letzten Wochen vielfach zitiert und bereits wieder zerrissen wurde, finde ich die Kernaussage von folgendem Satz sympathisch, er sagte: „Ich werde mich in den nächsten Wochen Monate noch stärker für dieses Land engagieren.“ Ob er zu diesem Zeitpunkt schon wusste, dass er bald wieder für den CDU-Vorsitz kandidiert? Ein Schelm, der Böses dabei denkt 🙂 Aber im Ernst, unabhängig von dem, was er damit genau sagen wollte: Stellen wir uns vor, dass wir alle diesen Satz selber sagen, packen wir‘s an und machen Deutschland fit für die Zukunft.

Ich möchte in jedem Fall in Zukunft einen Beitrag dazu leisten. Ob ich dabei dauerhaft ein Typ für eine Partei bin oder mich eher unabhängig engagiere, wird sich zeigen. Für den Moment gibt für mich gute Gründe, grüne Politik aktiv zu unterstützen!

„Hörst du mich wieder? Hallo? Hallo?“

Ein Großteil meiner Reisen absolviere ich seit vielen Jahren mit der Bahn, nicht erst seit der Diskussion um mehr klimafreundliches Reisen. Für mich ist die Bahnfahrt in vielen Fällen praktischer, bequemer und produktiver. Ich fahre lieber fünf Stunden mit der Bahn als vier mit dem Auto und rechne gerne in „effektiver Fahrtzeit“. Wenn ich es im ICE schaffe, wie gestern auf der Fahrt von Dortmund nach München, fünf Stunden konzentriert zu arbeiten, war mein Weg von zu Hause nach München (inkl. der Fahrt nach Dortmund, etwas Warten bei Umstiegen etc.) nur etwa zwei Stunden lang – getreu dem Motto der Bahn „Diese Zeit gehört dir“ und schneller als jede Autofahrt.

Natürlich klappt dies nicht immer und nicht jede Verbindung, gerade mit längeren Strecken in Regionalzügen, eignet sich für eine produktive Arbeit. Außerdem gibt es häufig Probleme, Herausforderungen und nervige Situationen beim Bahnfahren. Meine Grundstellung ist allerdings weiterhin positiv. Diesen Blogartikel möchte ich nutzen, um unterschiedliche Facetten des (primär in Deutschland) zu beleuchten und anzuregen, was zu tun ist, damit unsere Verkehrswende wirklich funktioniert.

Bahnfahren als Vielfahrer

Ich fahre nicht jeden Tag zur Arbeit mit dem Zug, bin also kein typischer Pendler. Ich nutze die Bahn vor allem für Geschäftsreisen für in der Regel weiter entfernte Termine und lerne hierbei Deutschland, die Städte und die jeweiligen Bahnhöfe kennen.

Mit der Zeit lernt man sich auf die Situationen an verschiedenen Bahnhöfen einzustellen. Zum Beispiel kann es bei knapper Zeit für den Umstieg an Bahnhöfen, die als Kopfbahnhof gelten (Wechsel der Gleise nur an einer Seite, nicht zwischendrin mit Auf- und Abgängen), sinnvoll sein, sich schon zuvor im Zug in die entsprechende Richtung zu bewegen. Hierzu zählen zum Beispiel München Hauptbahnhof, Frankfurt Main Hauptbahnhof oder Stuttgart Hauptbahnhof (zumindest bis es, irgendwann mal, Stuttgart21 gibt).

Als BahnCard-Besitzer und Person, die im Jahr mehr als 2.000 Euro für Bahntickets ausgibt, erhält man eine BahnCard-Comfort und damit die Möglichkeit an gewissen Bahnhöfen die DB-Lounges zu nutzen. Eine tolle Einrichtung mit freien Getränken, (i.d.R.) sauberen Toiletten, kostenlosem W-LAN und der Möglichkeit sich (i.d.R.) in Ruhe hinzusetzen. Mittlerweile sind diese DB-Lounges allerdings auch schon sehr voll, 2.000 Euro kann man, gerade wenn man keine Sparpreise bucht, schnell für Bahntickets ausgeben.

Bei mir hat es in den letzten zwei Jahren aufgrund der Vielzahl an Reisen (oft jedoch mit sehr früh gebuchten Sparpreisen) knapp für eine solche Karte gereicht. Hiermit habe ich auch die Möglichkeit im ICE auf gewisse Sitzplatzkontingente für BahnComfort-Fahrer auszuweichen. Dies ist jedoch nicht immer einfach, da diese Plätze sehr häufig besetzt sind und man eben nicht weiß, ob die Person, die bereits dort sitzt, auch ein BahnComfort-Kunde ist. Letztendlich buche ich für meine Fahrten in der Regel einen festen Sitzplatz, eben um sichergehen zu können, dass die Zeit in der Bahn auch zu meiner Zeit machen kann.

Kombination von Fahrwegen und Mitteln

Als Vielfahrer und Fahrer zu Zielen innerhalb Deutschlands eignet sich immer mal wieder ein Blick auf die aktuellen Streckennetz-Pläne der Deutschen Bahn. Hier erfährt man schnell, welche Verbindungen existieren und von welchen Zügen befahren werden. Oft kann man durch die Wahl eines anderen Ausgangsbahnhof für seine Reise (wohin man dann mit dem Auto unterwegs ist) seine Reise verbessern (mit weniger Umstiegen ans Ziel kommen) oder beschleunigen (da gewisse ICE-Linien nur an gewissen Orten verkehren).

Für mich könnte es zum Beispiel auch sinnvoll sein aus dem Sauerland mit dem Auto zum Bahnhof Kassel-Wilhelmshöhe zu fahren und dann nur 3,5 Stunden nach München in einem ICE zu sitzen und nicht, wie von Dortmund aus, etwa 6 Stunden. Besonders interessant können diese Informationen sein, wenn man an bestimmten Tagen unbedingt noch (irgendwie und irgendwann) nach Hause kommen muss / möchte.

Einen aktuellen Blick auf die Streckenpläne findet ihr hier: https://www.bahn.de/p/view/service/fahrplaene/streckennetz.shtml

Smartphone, Laptop und Internet

Da ich wie gesagt die Bahn auch als Büro nutze, möchte ich dort gerne auch mit meinen Geräten erreichbar sein bzw. kommunizieren können. Mittlerweile habe ich mich damit abgefunden: Wenn ich mit der Bahn unterwegs bin, bin ich telefonisch nicht erreichbar.

Hin und wieder habe ich Glück und kann ein Telefonat zu Ende bringen, in der Regel klappt es aber nicht. So wie bei meinem Sitznachbarn heute Abend, der gerade seiner Mitarbeiterin erklärte wie die Powerpoint-Folien für morgen anzupassen sind. Irgendwann hörte ich: „Hörst du mich wieder? Hallo? Hallo?“ Eine ganz normale Situation in Zügen in Deutschland. Telefonieren ist schwierig, genauso wie die Verfügbarkeit von (mobilem) Internet.

Das W-LAN der Deutschen Bahn ist wirklich selten sinnvoll und produktiv zu gebrauchen. Mit produktiv meine ich hier bereits das einfache Senden von E-Mails (ob mit oder ohne Anhängen), oft ist das mobile Internet von meinem Smartphone etwas besser, wenngleich auch dies keine besondere Freude bereitet.

Mit der DB-Navigator-App kann man in der Regel recht unkompliziert seine Verbindungen aufrufen, Alternativvorschläge bei Verspätungen bekommen und seine Tickets und BahnCards mit einem QR-Code abrufbar machen. Dies klappt seit einiger Zeit recht problemlos und hat sich in den letzten Jahren wirklich verbessert. In vielen ICEs kann man jetzt per „Komfort-Check-In“ (Button-Klick auf dem Smartphone) einchecken und braucht das Ticket gar nicht mehr zu zeigen, sehr bequem.

Ich verstehe jedoch nicht, wieso ich für weitere Dienste wie für die Anmietung von Fahrrädern, Autos oder dem Parken auf Bahn-Parkplätzen wiederum einzelne Apps brauche. Vermutlich sind alle Dienste, und damit auch die Apps, nach und nach entstanden. Dies muss aber besser werden, wenn man Mobilität neu definieren und durch möglichst viele einfach und unkompliziert erfahrbar machen möchte. Aber keine Sorge, es gibt diese Seite „Unsere Apps für Ihre Reise“ – wieso nicht nur eine ☹ https://www.bahn.de/p/view/service/mobile/index.shtml

Datenbank-Chaos

Irgendwann habe ich mal Wirtschaftsinformatik studiert und lebe dieses Thema der Optimierung von Prozessen oder der Arbeit mit Datenbanken in unserem Verein oder auch bei meiner Selbstständigkeit. Beim Zugfahren frage ich mich immer wieder, wie viele Datenbanken es mit den „identischen“ Informationen wirklich gibt? Anzeigen auf der Website sind oft, aber nicht immer, identisch mit den Angaben in der App. Informationen am Bahnsteig (in den blauen Kästen mit der Anzeige der Züge), sind oft anders. Konkret konnte mir weder die App noch die Website bei meiner letzten Reise das Gleis eines meiner Züge sagen. Am Bahnhof selbst wurde der Zug aber an einem Bahnsteig angezeigt. Wie passt dies zusammen? Ich möchte es eigentlich nicht wissen welche Informationen die Zugbegleiter auf ihren mobilen Geräten bzw. die Mitarbeiter in einem DB Reisezentrum angezeigt bekommen.

Mich beschäftigt dieses Thema zum einen mit meinem Hintergrund als Wirtschaftsinformatiker („Wie kann das sein?“) und zum anderen als jemand, der versucht sich jemanden vorzustellen, der zum ersten Mal mit der Bahn fahren soll („Wo bekomme ich meine Informationen?“) oder wenn ich mehr möchte, als nur Bahn zu fahren (siehe Thema Apps zuvor).

Verspätungen

Eigentlich möchte ich auf das Thema Verspätungen nicht allzu lange eingehen. Ärgerlich sind sie immer, da wir uns (gerade als Deutsche) gerne auf Abfahrtszeiten von 15:51 oder 10:06 einstellen möchten. Zu diesem Thema empfehle ich immer wieder gerne den Handelsblatt-Artikel über die Bahn in Japan, ich zitiere einen Satz aus dem Artikel: „Das Wort „Pünktlichkeit“ kommt im Jahresbericht [der Japanischen Bahn] kein einziges Mal vor“ – es ist schlicht nicht notwendig darüber zu sprechen. Hier geht’s zum vollständigen Artikel: https://orange.handelsblatt.com/artikel/52264

Von pünktlichen Zügen sind wir wirklich weit entfernt. Auf meinen Reisen habe ich verhältnismäßig oft „Glück“, aber alleine die Tatsache, dass ich dies als „Glück“ bezeichnen muss sagt schon alles. Züge sind verspätet, fallen aus, starten schon an ihrem Startbahnhof nicht rechtzeitig. Schuld an den Verspätungen sind meiner Meinung nach neben einer nicht ausreichenden Infrastruktur, z.B. nicht genügend Gleise für den Fernverkehr oder veraltete Technik, die aktuelle Auslastung der Züge (siehe gleich), menschliche Einflüsse und Wetterverhältnisse.

Wie sagt man so schön: Die Bahn hat vier natürliche Feinde, Frühling, Sommer, Herbst und Winter (siehe auch: https://www.augsburger-allgemeine.de/wirtschaft/Bahn-bereitet-sich-auf-den-Winter-vor-doch-genuegt-die-Infrastruktur-id56106251.html). Der Klimawandel wird uns weitere extreme Wettereignisse, wie z.B. heftige Stürme bringen, oder sehr heiße Sommertage, die Schienen extrem erhitzen / verformen könnten. Nicht umsonst testet die Bahn in der Schweiz weiße Bahnschienen (siehe: https://www.suedkurier.de/ueberregional/panorama/Ungewoehnliche-Aktion-Schweizer-Bahn-wappnet-sich-mit-weissen-Gleisen-gegen-die-Mega-Hitze;art409965,10224725).

Menschliche Einflüsse gehören leider ebenfalls zu Verspätungen oder Ausfällen. Dies kann durch einfaches Gedrängel an den Bahnsteigen (hier haben wir auch keine „Ordnung“ und definierte Positionen von Türen für den Ein- oder Ausstieg wie in anderen Ländern) oder durch die Motivation von einzelnen Personen, sich vor die Züge zu schmeißen, passieren.

Bahnfahren kann kompliziert sein

Nimmt man vieles von dem, was ich zuvor geschrieben habe, zusammen muss man sagen, dass Bahnfahren echt kompliziert sein kann. Dazu gehören für mich folgende „Kleinigkeiten“:

  • Fehlende Informationen über Abfahrtsgleise
  • Defekte Türen in Zügen (wodurch mehr Personen durch weniger Türen ein- und aussteigen müssen => Verspätungen)
  • Einfahrt eines ICEs in der falschen Wagenreihung (alle Personen bewegen sich am Bahnsteig von A nach G oder umgekehrt => Verspätungen)
  • Ausfall oder falsche Anzeige von Reservierungen in Zügen (Unruhe im Abteil, Diskussionen unter Passagieren)
  • Kein warmes Essen oder keine Getränke mehr im Boardrestaurant, gerade bei längeren Fahrten, Verspätungen oder langen Wartezeiten kann dies ein Problem sein

Viele dieser und weiterer Aspekte sind für mich, als jemanden der häufig Bahn fährt, bekannt und ich kann mich damit arrangieren. Arrangieren bedeutet für mich sehr häufig: Blick in die App und eine neue Option zu finden und sehr flexibel meine Reise umzuplanen. Gerade für ältere Mitmenschen ohne große Bahn-Erfahrung stelle ich mir die vielen Probleme der Bahn aber als Herausforderung vor. Wie finde ich das richtige Gleis? Was ist, wenn mein Zug von einem anderen Gleis fährt? Was ist, wenn ich einen Zug aufgrund einer Verspätung verpasse? Wer hilft mir, wenn mein letzter Anschlusszug für den Tag weg ist?

Ein kurzer Blick ins Ausland

Meine Erfahrungen mit Zügen im Ausland beschränken sich neben zahlreichen U-Bahnfahrten in (vor allem asiatischen) Metropolen auf das EU-Ausland in Dänemark, den Niederlanden, Österreich und Ungarn. In allen anderen EU-Ländern hatte ich den Eindruck, dass die Züge insgesamt weniger verspätet unterwegs waren. Dies kann aber auch an meinen zeitlich nur begrenzen Fahrten liegen. Bei einzelnen Aspekten sind uns die anderen Länder dennoch voraus, wie zwei kleine Beispiele zeigen:

  • In Rotterdam in den Niederlanden bekommt man Zugang zur Bahnstation mit den Gleisen nur mit einem gültigen Ticket. Dies ist übrigens in viele asiatischen Metropolen bei der U-Bahn ebenfalls der Fall und löst oft den Fall des Fahrens ohne Ticket.
  • In Österreich und den Niederlanden gibt es digitale Wagenstandanzeiger. Ein Wagenstandanzeiger zeigt an, an welcher Stelle an einem Gleis (A, B, C …) ein Waggon steht, sodass man sich vor Abfahrt bereits entsprechend positionieren kann. In Deutschland hängen an den Gleisen diese Informationen in Papierform mit dem schönen Hinweis „Aktuelle Informationen in der App“ (wenn sie denn funktioniert…).

Was wir brauchen

Für mich steht fest: Unsere Züge in Deutschland sind voll, so gut wie ausgebucht. Dies gilt für Regionalzüge genauso wie für Züge im Fernverkehr. Das Ziel, mehr Fahrgäste auf die Bahn zu bringen, ist mit Blick auf klimafreundliches Reisen löblich, wenngleich bei der aktuellen Auslastung und den aktuellen Problemen höchst ambitioniert.

Wir brauchen daher mehr und zielgerichtetere Investitionen in unsere (Bahn-)Infrastruktur. Dazu gehören für mich in einem Wunschkonzert folgende Punkte:

  • Im Netzplan sollten wir weitere Lücken schließen, sodass das Bahnfahren innerhalb Deutschlands für möglichst viele Personen attraktiv wird.
  • Wir brauchen mehr Gleise. Anders werden wir deutlich mehr Fahrgäste mit deutlich mehr Zügen wohl nicht realistisch und in Zeit transportieren können. Die Idee von einzelnen Fahrstrecken für Fernverkehrszügen oder Güterzügen wäre eine Idee.
  • Investitionen in Digitalisierung der Infrastruktur-Angebote, d.h. kein Datenbank-Chaos, und eine einheitliche Mobilitätslösung, d.h. kein App-Chaos, sodass es einfach ist und Spaß machen kann mit Auto, Bahn, Fahrrad und Car-Sharing zu reisen.
  • Ausbau der Infrastruktur für mobiles Internet, mitunter zum Teil durch verbesserte Technik innerhalb der Züge und durch eine wirkliche Flächenabdeckung beim Mobilfunk mit mindestens 4G für sinnvolles, mobiles Arbeiten. 
  • Gedanken zur Wiedereinführung von Nachzugverbindungen der Deutschen Bahn, in Verbindung mit vorhandenen Angeboten aus dem Ausland. Dies könnte das Reisen mit der Bahn innerhalb Deutschlands anstelle von „früh morgens hin spät abends zurück-Flügen“ attraktiver machen und zugleich das Netzangebot für das Zugangebot innerhalb Europas stärken.
  • Attraktive Angebote für Vielfahrer und Berufstätige, z.B. durch einen „Fitness-Waggon“ einen „Co-Workingspace-Waggon“, Ideen dazu gibt es bereits: https://www.deutschebahn.com/de/presse/suche_Medienpakete/medienpaket_ideenzug-1203902

Für mich zeigen meine eigenen Erfahrungen und Gedanken zu diesem Thema, dass wir jetzt weitere und große Investitionen in unsere Mobilitätsinfrastruktur benötigen. Damit meine ich: Zusätzliche Investitionen, um die angesprochenen Baustellen in den Griff zu bekommen, und nicht nur die Investitionen zum Erhalt unserer aktuell vorhandenen Infrastruktur. Eine Idee, um einige der Baustellen (gerade aus dem Bereich Verspätungen, IT etc.) in den Griff zu bekommen ist der Deutschland-Takt (siehe: https://www.allianz-pro-schiene.de/glossar/deutschland-takt/), es bleibt abzuwarten, ob diese ambitionierten Ziele bis in zehn Jahren tatsächlich erreicht werden können.

Ich würde mir wünschen, wenn viele Ideen und Investitionen rund um unsere Bahn in Deutschland erfolgreich sind. Sie können dazu beitragen das Klima zu schonen, bequemer, praktischer, effizienter und entspannter zu reisen. Gerne würde ich nicht nur Zeit in Deutschland, sondern auch in Europa im Zug verbringen und oft sagen können: Diese Zeit gehört mir und nicht dem Stau auf der Autobahn.

Reisen bereichert – zweimal Zufall

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Jeder, der schon einmal eine Flugreise gemacht hat, weiß, dass man auf diesen Reisen durchaus etwas erleben kann. Bei einer meiner Reisen hatte ich gleich zweimal Glück und habe noch einmal ganz anders erlebt, was heißen kann, nicht mit einem Economy-Ticket zu reisen.

Wie kam es dazu? Für einen Geschäftstermin, zwei Tage Meeting und zurück, bin ich im August 2017 nach Bangkok / Thailand geflogen (zur Sinnhaftigkeit solcher Kurzflüge am Ende).

Die beste Flugverbindung aus meiner Nähe geht von Düsseldorf über Dubai (umsteigen) mit Emirates nach Bangkok, d.h. zwei Flüge über jeweils etwa sechseinhalb Stunden. Da ich für das Meeting fit in Bangkok ankommen wollte, entschied ich mich für ein Business Class Ticket für den Hinflug, buchte Economy für den Rückflug.

Wer schon einmal mit der Staatsairline des Emirates Dubai geflogen ist weiß, dass die Ausstattung der Flugzeuge und der Service nicht schlecht sind. Die Erfahrung durfte ich auf (Economy-)Reisen in den Jahren zuvor nach Indonesien, Malaysia, Dubai oder Qatar bereits machen.

Zuversichtlich machte ich mich daher auf den Weg zum Düsseldorfer Flughafen und merkte bereits beim Check-In den Business-Service. Von Düsseldorf fliegt Emirates mit dem großen A380 (ca. 850 Passagiere) nach Dubai, dementsprechend lang war die Schlange an der Economy-Class.

Mit einem Business-Ticket konnte ich einfach durchgehen (Mist, hätte ich auch einen Zug später nehmen können…) und saß kurz später in der Emirates Lounge. Bereits dort konnte ich mich an einem kleinen Buffett bedienen, während unter mir im Erdgeschoss zahlreiche andere Passagiere überteuertes Essen und Getränke einkauften. Hier dachte ich: Gut, für ein Business Class Ticket zahlt man eben auch mehr.

Angekommen in Dubai, rund um Mitternacht, einer Zeit in der in Dubai viele Flüge starten und landen. Das Terminal kannte ich bereits von meinen Reisen in den vorherigen Jahren, doch wartete ein neues Erlebnis auf mich: Die Emirates Lounge in Dubai – einfach nur verrückt. Die Lounge erstreckt sich fast über die komplette zweite Ebene (über dem Bereich mit den ganzen Geschäften etc.), es gibt mehrere Buffett-Bereiche (ich meine sechs oder acht), sehr viele Sitzgelegenheiten, absolut saubere Toiletten und Duschen. Alleine schon wegen der Lounge ist es ein Erlebnis, einmal mit Business Class in Dubai umzusteigen.

Nach einem kurzen Aufenthalt in der Lounge machte ich mich auf den Weg zum Gate für den Flug nach Bangkok, wohlwissend, dass ich auf dem Rückflug nicht in der Lounge verweilen darf. Das Boarding hatte bereits angefangen und ich streckte mein Business Class Ticket in den Scanner, die Mitarbeiterin schaute kurz auf den Computer und sagte: „Sie bekommen ein Upgrade.“ – eine Minute später hatte ich ein First Class Ticket in der Hand. WAS? First Class? Verrückt!

Im Flugzeug angekommen merkte ich, dass Emirates First Class noch einmal ein Stück anders als die Business Class ist. Jeder hat eine eigene „Kabine“ (mit Wänden, die zugemacht werden können), man kann sich zu Flugbeginn aus dem Menü etwas aussuchen das Essen für einen bestimmten Zeitpunkt bestellen und ebenfalls auswählen ob und wann man den duschen möchte. Duschen? Ich war zu Beginn etwas überfordert und habe dankend abgelehnt (ja, noch heute sagen viele Freunde: Ich wäre dort sofort duschen gegangen. Ja, lacht weiter.). Insgesamt also alles nochmal größer und besser. Aber auch unnötig: hatte ich gerade meine 0,2 Glas ausgetrunken, bekam ich ein neues Glas und das Essen wurde mit Tischdecke serviert. Für mich als 1,93m großen Menschen war der Platz natürlich einzigartig, endlich ausreichend 😉

Bereits mein Hinflug war daher ein besonderes Erlebnis, welches ich wohl noch länger im Gedächtnis haben werden. In Bangkok brachte mich dann noch der Emirates-Business-Class Service per Auto ins Hotel, ebenfalls ein neues Erlebnis. Das Meeting und ein kurzer Einflug in Bangkok verliefen ansonsten ohne besondere Vorkommnisse.

Ich fragte mich, wie so häufig auf Reisen, wieso andere Länder es mit den öffentlichen Verkehrsmitteln besser hinbekommen als wir in Deutschland. Diese Metro-Linien, bei denen man nur mit gültigem Ticket überhaupt Zutritt zum Bahnsteig hat und die Bahnsteigtüren, die das Ein- und Aussteigen sicherer machen (und wie ich finde: beschleunigen). Immerhin, die Münchener U-Bahn möchte dies nun auch testen – ab 2023 (https://www.spiegel.de/auto/aktuell/muenchen-bahnsteigtueren-sollen-u-bahn-sicherer-machen-a-1280258.html). Eine Sache können wir aber besser, die Verkabelung – die ist woanders oft exotisch.

Meinen Rückweg zum Flughafen absolvierte ich mit einem Uber-Fahrer. Als Kurzbesucher sehr praktisch, aber auch unglaublich, was die Fahrten kosten und dementsprechend (wenig) die Fahrer verdienen. Als ich im Flughafen wieder WLAN hatte merkte ich zudem, dass mein Fahrer wohl die Uber-App nicht korrekt bedient hatte und nur 200m Fahrt vor dem Flughafen berechnet wurden (ich war etwa eine Stunde mit ihm unterwegs). Dies tat mir wirklich leid.

Zurück ins Flugzeug, Economy-Class, sitzen statt liegen. In Dubai angekommen hatte ich etwa drei Stunden bis zum nächsten Flug und entschied mich, auf dem Flughafenteppich in der Nähe meines Gates eine Runde zu schlafen. Zwei Tage zuvor saß ich noch in der zweiten Etage in der Lounge, verrückt. Etwas müde ging ich kurz später zum Gate und ihr ahnt es vielleicht schon? Ich scannte mein Flugticket und die Mitarbeiterin sagte wieder zu mir: „Sie bekommen ein Upgrade.“ – diesmal von Economy auf Business Class. Einfach nur verrückt!

Ich freute mich, dass ich die nächsten sechs Stunden bis Düsseldorf tatsächlich noch liegen durften, konnte mein Glück nicht fassen. Zwei Upgrades auf einer Flugreise? Wie verrückt war das denn? Dabei war und bin ich kein besonders regelmäßiger Vielflieger bei Emirates.

Seit dieser Reise bin ich bisher noch kein Business oder First Class geflogen und habe mich, auch aufgrund meiner Größe, auf den letzten Reisen mit Sitzen mit etwas mehr Platz (entweder am Notausgang oder in der Premium Economy Class) angefreundet. Übrigens: Mit Bose Be Quiet Kopfhörern und der Playlist „Naturgeräusche zum Einschlafen“ habe ich im letzten Jahr auf den Hin- und Rückflügen nach Thailand wunderbar geschlafen, sehr zu empfehlen 😊

Zurück zur eingehenden Frage: Sind solche Reisen sinnvoll?

Man kann sich immer fragen, ob eine Reise sinnvoll ist. Dies gilt auch, wenn man in Deutschland unterwegs ist zu einem Meeting, welches man vielleicht auch als Online-Meeting hätte absolvieren können. Speziell im internationalen Kontext ist ein Online-Meeting in vielen Fällen mit Blick auf die Umwelt, die Kosten, die Reisedauer und die Anstrengung (Zeitzone, Klima, weniger Schlaf etc.) sinnvoll.

Jedoch weiß ich auch, dass man gerade im internationalen Kontext den persönlichen Kontakt nicht unterschätzen sollte. Es ist etwas anderes, ob man sich nur aus einer Telefonkonferenz kennt oder gemeinsam etwas unternommen hat und Essen in anderen Ländern ausprobiert hat. Genauso kann es als großer Mensch sinnvoll sein, mehr als Premium Economy oder Business zu buchen, First Class ist nicht nötig.

In meinem Fall hat die Reise dazu beigetragen, dass die Zusammenarbeit mit den thailändischen Partnern nach der Reise anders, freundschaftlicher und positiver, war. Gut, was soll ich auch sagen, wenn ich zu einem Bingsu (eigentlich sogar koreanischem Eis) eingeladen werde? 😊 Probiert es, wenn ihr mal in Asien seid! Wer jetzt sagt: „Gibt’s auch in Deutschland!“ – Mag sein, aber auch der Asiate um die Ecke ist kein Vergleich zum Essen vom Nachtmarkt einer asiatischen Stadt.

Übrigens, wen interessiert, welchen CO2-Fußabdruck diese Reise hinterlassen hat, hier eine kurze Übersicht. Ich war eben selbst schockiert:

  • Flug Düsseldorf > Dubai, Business Class: 4.042kg (Kompensation: 93€)
  • Flug Dubai > Bangkok, First Class: 5.256kg (Kompensation: 121 €)
  • Flug Bangkok > Dubai, Economy: 2.103kg (Kompensation: 49€)
  • Flug Dubai > Düsseldorf, Business Class: 4.042kg (Kompensation: 93€)

(Angaben von: https://www.atmosfair.de/de/kompensieren/flug)

Insgesamt hat die Reise 15.443kg CO2 gekostet. Gut jetzt könnte man sagen, durch meine Upgrades habe ich nur auf einem anderen Platz gesessen. Aber wie auch immer: Das ist sehr viel, vor allem wenn man bedenkt, dass der derzeitige Verbrauch eines Deutschen im Jahr bei ca. 11.000kg liegt und ein klimaverträgliches Budget bei ca. 2300kg (Quelle: atmosfair.de) liegt.  

(Siehe zum Thema „Wer wie viel CO2 ausstößt“ einen interessanten Artikel der Tagesschau vom 12.07.2019: https://www.tagesschau.de/faktenfinder/co2-emissionen-103.html)

Mit Blick auf die CO2-Emissionen kann man schnell sagen: Man sollte weniger reisen und ja, ich denke, dass sich hier jeder an seine eigene Nase packen sollte. Jeder kann etwas ändern: Mehr Zug anstatt Auto oder Zug statt Flug innerhalb Deutschlands. Internationale Reisen werden sich in unserer globalisierten Welt nicht verhindern lassen, ja sie sind sogar sinnvoll für einen kulturellen und globalen Austausch. Wie oft, wie weit und wie man reist sollte man dennoch immer abwägen und ich gebe die Hoffnung nicht auf, dass wir eines Tages nicht nur CO2 neutral, sondern mithilfe von erneuerbaren Energien fliegen können. Wenn wir weiter innovativ denken und handeln.

(Siehe hierzu den Artikel „Airbus forscht am grünen Fahrzeug“ vom 22.05.2019, https://www.tagesschau.de/wirtschaft/airbus-emissionen-entwicklung-101.html)

Ich bereue meine zweitägige Reise in jedem Fall nicht, da sie mich bei meiner Arbeit weitergebracht und zugleich eindrucksvolle Erinnerungen beschert hat. Reisen bereichert. Immer, egal in welcher Fluggastklasse. Ich hoffe, euch haben meine Eindrücke ebenfalls bereichert.

Die Perspektive entscheidet

Manchmal ist es schon unglaublich, dass man für neue Eindrücke gar nicht weit reisen muss. Manchmal denkt man, dass man neue Perspektiven vor allem in anderen Kulturkreisen entwickelt, d.h. mit Reisen nach Amerika, Afrika oder Asien. Gerade sitze ich in einem Hotel in Aarhus, der zweitgrößten Stadt in Dänemark, nach wenigen Tagen Urlaub in Kopenhagen und vor einem internationalen Roboterwettbewerb, welcher am kommenden Wochenende in Aarhus stattfindet.

In den letzten Jahren war ich beruflich schon häufiger in Dänemark, aber auf dieser Reise habe ich mich immer öfter gefragt: Was ist eigentlich los mit uns in Deutschland? Verlieren wir nicht den Anschluss? Bei den ganz einfachen und alltäglichen Dingen? Diesmal ging meine Reise mit dem Zug aus dem Sauerland über Hamburg bis nach Kopenhagen.
Erster Punkt – das mobile Internet. Seit der Grenze zu Dänemark habe ich durchgehend 4G / LTE – Netz, ob im Zug, Bus, sogar im Tunnel, der Malmö mit Kopenhagen verbindet. Eben habe ich noch mit dem Handynetz Computer gespielt. In Deutschland? In den letzten Jahren bin ich viel unterwegs gewesen und habe mir angewöhnt bei einer längeren Zugreise von einem „Tag nicht erreichbar“ zu sprechen. Telefonieren ist leider oft nicht möglich oder Telefonate werden durch „Ich bin im Zug“ unterbrochen.

Mit der neuen Entscheidung für den Ausbau mehrerer 5G-Netze durch verschiedene Anbieter (kein National-Roaming) wird das sicherlich nicht besser. Dabei benötigen wir eine flächendeckende Internetversorgung dringend, für den aktuellen und zukünftigen Verkehr, für das mobile Büro oder einfach: zum Telefonieren.

Zweiter Punkt – Mobilität. In der Hauptstadt Dänemarks, einer Stadt mit über 600.000 Einwohnern, war ich überrascht, wie ruhig und dennoch vielfältig alle Menschen unterwegs waren. Klar, Autos, Züge, Metro, Busse, aber auch und vor allem Fahrräder und E-Scooter waren zu sehen. Sowohl Fahrräder als auch E-Scooter können einfach über verschiedene Apps (ok, hier wäre ein Anbieter, anstatt ein App-Sammelsorium wünschenswert!) für gute Preise gebucht werden. Damit klappt es aber auch so gut, weil für Fahrräder & E-Scooter eine konsequente Breite spur auf der Fahrbahn eingeräumt wird. Eine Spur, die von der Höhe sowohl vom Fußgängerüberweg als auch von der Fahrbahn abgetrennt ist. Vor dem Kopenhagener-Hotel in Bahnhofsnähe gab es daher nur eine Fahrbahn pro Richtung für Autos, je nachdem noch eine Extra-Spur für Busse. Ich weiß, dass in einzelnen großen deutschen Städten Experimente in diese Richtungen laufen und ich hoffe, dass wir uns, z.B. im Bereich der E-Scooter, nicht zu viel typisch deutsche Bürokratie auferlegen. Dabei benötigen wir sehr dringend eine Veränderung unseres Mobilitätsbewusstseins. Nicht nur, aber auch wegen des Klimawandels, aber auch weil unsere Städte und Straßen immer voller werden und wir wieder lernen müssen, wann es auch reicht zu Fuß zu gehen oder mit Rad / Scooter zu fahren.

Dritter Punkt – Zahlung & Buchungen: Heute, an Tag fünf unserer Reise, hat mein Kollege hier zum ersten Mal mit Bargeld bezahlt, da ein kleiner Eisladen keine Kreditkarte angenommen hat. Bisher konnten wir alles, vom Essen, Supermarkt-Einkauf bis zum Toilettengang bargeldlos durch Auflegen der Kreditkarte zahlen. Es ist bequem und geht schneller. Unsere Kopenhagen-Tourismus-Card buchten wir bequem per App und konnten überall unseren QR-Code der App vorzeigen (auf der Seite der Berlin WelcomeCard lese ich gerade „Bestellen Sie jetzt die Berlin WelcomeCard als Online-Ticket. DRUCKEN SIE DAS TICKET BEQUEM ZU HAUSE AUS und nutzen Sie es direkt bei Ihrer Ankunft in Berlin“ – meine Güte, wie umständlich). Im Zug nutzt der Schaffer einfach ein Smartphone ein und scannt QR-Codes der Bahntickets in Sekundenschnelle (ich denke viele kennen diese klobigen Geräte unserer DB-Schaffer, die erstmal laden, sich dann mit dem Internet verbinden müssen und manchmal noch nach der BahnCard fragen?). Bargeldloses Zahlen kommt bei uns immer mehr und benötigt natürlich auch die Akzeptanz von denjenigen, die es nutzen sollen – uns allen. Aber alles in allem, ist es vieles einfach unkomplizierter und angenehmer.

Wieso schreibe ich das auf? Weil es mich einfach mit jeder Reise weiter ärgert, wie sehr wir „hinten dran sind“. Wir, damit meine ich Deutschland, eines der reichsten Länder der Welt, welches weltweit auch noch für eine Ingenieurskunst und Innovationen gelobt wird (wohl nur von welchen, die sich die Digitalisierung in Deutschland noch nicht angeschaut haben). Nochmal: Ich sitze in Dänemark und nicht in China. Unserem Nachbarland, einem EU-Land, welches sich genauso wie wir an viele Regelungen und Vereinbarungen halten muss.

Bei vielen der zuvor genannten Punkten gibt es weitere Aspekte zu bedenken (z.B. Sicherheit/Datenschutz beim Bezahlen oder bei der Nutzung von E-Scooter), aber hey – ich sitze gerade in Dänemark (einem EU-Nachbar) und nicht in China – die Perspektive entscheidet!

Es ist möglich, wenn wir endlich anfangen groß zu denken. Dafür brauchen wir aber Politiker mit Vision, die vorangehen und für die nicht nur die nächste Wahl entscheidend ist und eine Gesellschaft, die akzeptiert, anstatt sofort den nächsten Shitstorm-Tweet bei einer etwas utopischen Idee absetzt. Auf geht’s – wir haben keine Zeit mehr.