Mein Rücken hat Zahn

Den Ausdruck „Ich hab‘ Rücken[schmerzen]“ haben mit Sicherheit schon viele von euch einmal gesagt, denn Nacken- oder Rückschmerzen an sich sind mit Blick auf unser Leben mit tendenziell vielen Sitztätigkeiten kein Wunder. Laut Techniker Krankenkasse waren 8,4% aller Krankeschreibungstage im Jahr 2019 auf Rückenleiden zurückzuführen [1].

Wieso mache ich einen Blog-Eintrag zum Thema Rückenprobleme? Ganz einfach: Ich möchte euch die Augen für einen möglichen Grund hierfür öffnen und berichten, wie es mir in den letzten Jahren ergangen ist. Es geht um die Frage, was eure Zähne und euer Kiefer damit zu tun hat und welche Behandlungen hierbei helfen können.

Ich bin zwar erst 30 Jahre, habe aber bereits seit einigen Jahren mit zunehmenden Rückenproblemen zu kämpfen. Mich hat dies zunächst sehr gewundert, da ich zu dem Zeitpunkt Sport in meinen täglichen Alltag integriert hatte. Regelmäßiges Radfahren, schwimmen, Übungen im Fitnessstudio oder Sparziergänge im Wald gehören fast täglich zu meinem Sportprogramm. Jedoch saß ich, u.a. bedingt durch mein Master-Fernstudium und Jobs, die ich zum Teil von zu Hause erledigen konnte, auch viel am Schreibtisch. Habe meine Rückenprobleme also vor allem darauf geschoben und da sie auch zunächst nur ab und zu da waren, war dies auch nicht weiter schlimm.

In einem ersten Schritt habe ich versucht Schreibtisch, Stuhl und meine Matratze zum Schlafen zu optimieren und auszutauschen. Für mich mit mäßigem Erfolg, dies können aber schon erste Tipps für euch sein. Richtig sitzen und erholsam schlafen sind wichtige Grundlagen für eine gute Rückengesundheit. Krankenkassen stellen auch viele allgemeine Tipps zu diesem Thema zusammen [2]. Was passiert als Nächstes, wenn man zunehmend Rückenprobleme hat? Man geht zum Hausarzt oder zum Orthopäden und bekommt, wie in meinem Fall, hin und wieder eine Massage oder Wärmebehandlung aufgeschrieben. Einige Zeit habe ich auch am FPZ-Rückentrainingsprogramm teilgenommen, eine 12-wöchige Physiotherapie mit Fokus auf Rückenschule. Dies wurde komplett durch meine damalige Krankenkasse, die BARMER, bezahlt [3].

Nachhaltig geholfen haben mir diese Behandlungen, obwohl ich weiterhin körperlich fit war und mich, wie ich fand, viel bewegt habe, allerdings nicht. Da ich zunehmend vor allem Probleme im oberen Rücken, im Nacken- und Schulterbereich, kam ich irgendwie (ich weiß in der tat nicht mehr, von wem / durch was der entscheidende Tipp kam) auf das Thema Zähne und Kiefer. Je mehr ich darüber nachlas, desto logischer erschien mir der Zusammenhang.

Meine Zähne hatten sich über die letzten 10 Jahre wieder etwas verschoben, auch das verursachte teilweise Schmerzen, und meine Zahnärztin riet mir schon vor einigen Jahren zu einer KFO-Behandlung [4], um diese Zahnfehlstellungen zu korrigieren. Damals war mir dies zu teuer. Außerdem las ich von möglichen CMD-Problemen, einer Kieferproblematik [5] mit Auswirkungen vor allem auf die Nacken- und Rückenmuskulatur. Denn es ist sehr logisch (vereinfacht gesprochen): Passt der Ober- und Unterkiefer nicht genau zueinander, kann man nicht korrekt zubeißen. Es passiert zum Beispiel, dass man eine Seite des Kiefers mehr oder weniger stark beansprucht. Macht man dies über eine lange Zeit, führt das zu einem Ungleichgewicht, welches sich ebenfalls auf die Muskelgruppen, die sich vom Kiefer bis in die Schulter ziehen, auswirken. Schematisch dargestellt sind diese Probleme im hier verlinkten Video bzw. mit Infos unter [5].

Letztendlich stellt sich bei mir heraus, dass bei mir ein sogenannter Kreuzbiss vorliegt, bei dem Ober- und Unterkiefer nicht direkt zusammenpassen. Es liegt in meiner Natur, dass ich mich zunächst über Themen versuche recht genau zu informieren, bevor ich mich für eine Behandlung (mit auch verbundenen Kosten, dazu später) entscheide. Ich holte mir daher von verschiedenen Zahnärzten eine Meinung ein und es stellt sich in meinem Fall schnell heraus, dass die zuvor genannten Zahnfehlstellungen (KFO) und die Kieferprobleme (CMD) in einer großen und kombinierten Behandlung zu behandeln sind. Dabei fiel mir wiederum auf, dass nicht alle Zahnärzte eine CMD-Behandlung durchführen können und auch nicht alle Kieferorthopäden auf dem Gebiet bewandert sind. Es gibt auch Zahnärzte, die nur das eine (KFO) oder andere (CMD) machen.

Letztendlich entschied ich mich doch für eine Behandlung im Zentrum für Zahngesundheit Ruhr (Zahnärzte Schweppe und Thiedemann [6]). Dort war ich immer beim Zahnarzt, jedoch war nicht nur der persönliche Kontakt entscheidend. In dieser Praxis ist eine Zahnärztin auf CMD-Behandlungen spezialisiert ist, eine weitere auf KFO-Behandlungen und ein weiterer Zahnarzt auf Zahnersatz (Implantate + Brücken). Für jemanden wie mich, der viele Baustellen auf diesem Gebiet hat, durchaus hilfreich.

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Der Ablauf einer Behandlung haben mir verschiedene Ärzte recht ähnlich beschrieben: Zuerst behandelt man die CMD-Probleme (die Kieferfehlstellung) und dann die KFO-Probleme (Zahnfehlstellungen). Wenn ihr nur eines der Probleme habt, dann könnt ihr euch natürlich auf ein Thema fokussieren. Meine CMD-Behandlung begann im Mai 2019 und ich bekam eine spezielle Aufbissschiene, wobei die Betonung auf dem Wort „spezielle“ liegt. Es handelt sich dabei nicht um einen „Gummiüberzug“, den einige vielleicht als Knirscherschiene kennen, sondern um eine speziell angefertigte Schiene, welche beim Zusammenbeißen die optimale Kieferposition simuliert (Erläuterung siehe Video zuvor, Foto meiner CMD-Schiene siehe links).

Zu Beginn war die Schiene und das Aufbeißen in „korrekter“ Kieferposition ungewohnt und verursachte eine Art Muskelkater am Kopf/Kiefer sowie teilweise Kopfschmerzen. Jedoch habe ich bereits nach kurzer Zeit gemerkt, wie sich mein Kiefer an die optimale Position (mit Schiene) gewöhnt hat und meine Nacken- und Schulterschmerzen weniger wurden und nach einigen Monaten fast vollständig verschwunden waren. Verrückt, damit hätte ich nicht gerechnet und war sehr froh darüber, dass das Tragen dieser Schiene geholfen hat.

Das Tragen der Schiene hatte einen weiteren positiven Nebeneffekt: Ich habe nur noch dreimal am Tag etwas gegessen, denn mit der Schiene kann man nicht essen und nur für einen Snack zwischendurch nimmt man die Schiene nicht immer heraus (und putzt seine Zähne). Durch die Schiene, und eine Umstellung meiner Ernährung, habe ich über 10kg abgenommen und mich genauer mit dem Thema Intervallfasten beschäftigt (vielleicht etwas für einen weiteren Blog-Artikel). Der Umgang mit der Schiene war ansonsten recht problemlos, man konnte damit ohne Probleme sprechen (wobei es hier je nach Zahnarzt verschiedene Anfertigungen geben kann, womit dies leichter / schwieriger sein kann) und auch mal etwas anderes als Wasser trinken.

Nach der durchaus erfolgreichen CMD-Behandlung wartet nun die KFO-Behandlung, die Korrektur der Zahnfehlstellungen, auf mich. Dies hat natürlich zur Folge, dass ich nun meine CMD-Schiene nicht mehr trage und andere Schienen für die KFO-Behandlung nutze [7]. Bis sich meine Zähne also insgesamt umgestellt haben und am Ende hoffentlich Kiefer- und Zahnposition weitreichend korrekt sind, wird es noch 1-2 Jahre dauern. Ich werde berichten.

Mit meinem Blog-Artikel heute ging es mir vor allem darum, euch für das Thema zu sensibilisieren. Vielleicht habt ihr ähnlich, für euch zunächst unerklärliche, Rückenprobleme, die eventuell auch mit dem Kiefer und euren Zähnen zusammenhängen.

Abschließend sind mir zu diesem Thema folgende Punkte wichtig:

  • Ich habe versucht, euch das Thema stark vereinfacht zu erklären. Selbst mein konkreter Fall ist, u.a. durch einen fehlenden Zahn, noch etwas komplexer als geschildert. Manche von euch haben vielleicht gar keine oder nur eine der angesprochenen (CMD/KFO)-Problematiken oder gar andere Beschwerden.
  • Ich bin kein Arzt. Das Lesen eines Blog-Artikels oder anderen Internetseite kann euch informieren, ersetzt aber in keinem Fall den Gang zu einem Arzt. Dies können in diesem Fall zunächst der Hausarzt, ein Orthopäde oder ein Zahnarzt sein. Beim Zahnarzt dann darauf achten, dass dieser zumindest ein Kieferorthopäde/in ist. Ich habe mich auch erst nach der ersten Diagnose verstärkt eingelesen.
  • Zahnbehandlungen in diesen Bereichen (CMD/KFO) werden i.d.R. nicht von gesetzlichen Krankenkassen und auch nicht von Zusatzversicherungen übernommen (Zusatzversicherungen zahlen i.d.R. vor allem Implantate, Vorsorge etc.). Eine CMD-Behandlung kann in etwa zwischen 1.000-2.000 € kosten, eine KFO-Behandlung mit Invisalign in etwa zwischen 3.500-6.500 €, alles je nach Zahnarzt sowie konkretem und individuellem Fall.

Links und Quellen

[1] https://www.tk.de/presse/themen/praevention/gesundheitsstudien/fehltage-aufgrund-rueckenschmerzen-2080534

[2] https://www.tk.de/techniker/magazin/sport/gesunder-ruecken-2000332 oder zum Beispiel https://www.barmer.de/gesundheit-verstehen/rueckengesundheit

[3] Mehr Infos zu dem Konzept und ob eure Krankenkasse dies bezahlt findet ihr hier, sprecht dann euren Orthopäden darauf an, er kann euch die Behandlung verschreiben:

https://www.fpz.de/die-behandlung/kostenubernahme

[4] KFO steht für Kieferorthopädie und fasst die Behandlungstechniken für Zahnfehlstellungen zusammen. Zur allgemeinen Informationen verlinke ich auch mal auf Wikipedia: https://de.wikipedia.org/wiki/Kieferorthop%C3%A4die

[5] CMD steht für Cranio Mandibuläre Dysfunktion und bezeichnet Fehlfunktionen/-Stellungen des Kiefers und die damit verbundenen Auswirkungen auf andere Körperteile. Allgemeine Informationen auf der Seite der Gesellschaft für Zahngesundheit, Funktion und Ästhetik sowie eine Einleitung in dem im Blog verlinkten Video: https://www.gzfa.de/diagnostik-therapie/cmd-craniomandibulaere-dysfunktion/ bzw. der Video-Link https://www.youtube.com/watch?v=MZvZHxhaGp0

[6] Infos zum Zentrum für Zahngesundheit Ruhr unter https://www.dr-schweppe.de/.

[7] Hier nutze ich jetzt die Invisalign-Schienen, siehe https://www.invisalign.de/, im Detail dazu aber mal etwas in einem weiteren Blog-Artikel.